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remus Web-Dok. 7/2001

"Das Internet als Chance und Bedrohung - ein Orientierungsversuch"

Vorträge

Datenschutz und Jugendschutz im Internet - Möglichkeiten und Grenzen -

- Marit Köhntopp, Mitarbeiterin des Landesdatenschutzbeauftragten Schleswig Holstein -

Marit Köhntopp referierte über Datenschutz und Jugendschutz (Der Vortrag ist im Internet abrufbar unter der URL http://www.netuse.de/~mk/publikationen/vortraege/dsjs/index.htm).

In dem datenschutzrechtlichen Teil des Beitrags ging die Referentin zunächst darauf ein, welche Daten wo im Internet aufzufinden sind (Bestandsdaten, Verbindungsdaten, Inhaltsdaten), wer Zugriff auf welche Daten hat und wer für welche Daten verantwortlich ist. Sie wies darauf hin, daß das Internet nicht unter Sicherheitsaspekten entwickelt wurde und daher zahlreiche Sicherheitsrisiken aufweise (Schwächen in Protokollen, in Implementierungen, in Installationen und in Rechnersystemen). Daher seien einige Angriffsmöglichkeiten denkbar. In rechtlicher Hinsicht sei die Rechtslage diffus, Schwierigkeiten würden insbesondere durch grenzüberschreitende Datenflüsse verursacht. Jeder Nutzer hinterlasse Datenspuren. Die Referentin erklärte dies anhand der Dienste E-Mail, News und WWW . E-Mail-Adressen würden beispielsweise für Spam-Mail benutzt, DejaNews archiviere Newsgroup-Beiträge. Im Anschluß daran stellte die Referentin Maßnahmen vor, um Daten zu schützen (anonyme oder pseudonyme Nutzung, digitale Signaturen, Verschlüsselungstechniken, elektronische Robinson-Liste).

Den jugendschutzrechtlichen Teil des Beitrags leitete die Verfasserin mit einigen Beispielseiten aus dem WWW ein; so sei es nicht schwierig für Jugendliche, an Paßworte für diverse Dienste zu gelangen. Bei E-Mail und Chat sei es bereits zu Vorfällen gekommen, daß an Kinder und Jugendliche von Pädophilen kinderpornographische Materialien gesendet wurden. Im folgenden stellte die Referentin einige Möglichkeiten vor, um Kinder und Jugendliche zu schützen. So gebe es - neben Negativ-Listen - mittlerweile einige WWW-Angebote mit Positiv-Listen. Insgesamt erläuterte sie zahlreiche weitere Lösungen, die auch für Schulen von Interesse sind, nicht nur im Hinblick auf das WWW, sondern auch für News und E-Mail (Einzelheiten hierzu in der Online-Version des Referats). Ausführlich stellte die Referentin Möglichkeiten der Inhaltskontrolle dar. Sie erläuterte einige Methoden (Blocking, Filtering, Labeling/Rating, Monitoring), wies allerdings ebenso ausführlich auf die Grenzen (These: Die Inhaltskontrolle ist unscharf, nie werden alle unerwünschten Inhalte abgeblockt) und die Nebenwirkungen hin (These: Die Inhaltskontrolle ist unscharf, in der Regel werden unschuldige Inhalte mitabgeblockt).

Abschließend gab die Referentin Empfehlungen für einen praktikablen Jugendschutz im Internet. Zwar seien insbesondere für Kinder Positivlisten eine geeignete Maßnahme, allerdings dürfe die Medienerziehung nicht vernachlässigt werden. Das Internet enthalte im übrigen eine Vielzahl weiterer Informationsmöglichkeiten. Abschlußthese: Weder Datenschutz noch Jugendschutz lassen sich automatisieren.

Diskussion zum Referat:

Die erste Frage in der anschließenden Diskussion bezog sich auf einen aktuellen Fall, in dem der Arbeitgeber eine private E-Mail eines Mitarbeiters mitgelesen hatte und aufgrund des Inhalts der E-Mail entlassen wurde. Die Referentin erläuterte die verschiedenen Aspekte des Falles. Prof. Dr. Herberger wies auf die Parallele zur Briefpost hin. Im Anschluß daran wurde die Rechtslage im Verhältnis Schule-Schüler erörtert. Dabei wies die Referentin darauf hin, daß aus der Vielzahl der E-Mails automatisch mit Hilfe bestimmter Suchworte einzelne Beiträge ausgefiltert werden könnten. Aus dem Publikum wurde allerdings angemerkt, daß die meisten Lehrer wohl insofern nicht die technischen Kenntnisse besäßen. Wichtig sei die Vermittlung von Medienkompetenz; insofern gebe es allerdings bereits erste Ansatzpunkte.

 

Foto: Copyright 1998 Christoph Volz


Letzte Aktualisierung

18.04.2001

URL

http://remus.jura.uni-sb.de/web-dok/20010007.html